El-G: Das Ich als Text in der Fremde

Ein  Flimmern im spannenden Hintergrundrauschen des Weltgeplauders.
Niemand ist gemeint.

Neue Literatur, Prosa, Lyrik, Roman, Online Kunst, verbale Performance, Exposé, Epimetheisch, Erfundene erlogene ausgedachte Geschichten.

Farbwechsel (setzt Cookie)

Ankommen

am Literatur-Archipel

Polysemien

Der verwüstete Kontinent eines sentimental einstimmigen Narrativs ist zurückgelassen. An den Stränden der Archologie des Verstehens flunkern Scherben des Erzählens und Splitter halbgelebter Protagonisten. Ein Inselhopping ist vorbereitet: Von Prosa zu Lyrik, über Absatzfetzen und Text-Experimenten bishin zu Romanentwürfen. Dekoriert in entspannter Passivität und Anonymität kann nichts geliked oder kommentiert werden.

Ferner ist Polysemien frei von Monetarisierung oder einem konsistenten Weltbild. Hier herumreisen ist kostenlos, aber vielleicht nicht umsonst. Ist das was? Wie bei jeder Mehrfachauswahl oder Vieldeutigkeit ist es eine eigene Entscheidung.

Angenehmen Aufenthalt,

EI-G

 

 

NEU oder zuletzt editiert

(Last IO)

am 31.01.2025
11. Januar 2o25
»... und einen Augenblick lang war er glücklich in dem Traum,
aber beim Erwachen fühlte er sich vollständig mit Vogelkacke bespritzt.«

Gabriel García Márquez

Wahlomat

Dein Geburtstag ist ungültig.
Deine Anfrage wird nicht prozessiert.
Du hast ein Anliegen, doch hier liegst du falsch.

Du bist ein tiny Asset in einem Portfolio.
Du bist mein Zaubertrick deiner Wahrheit
und du bist nicht versichert.

Wünschst du dir, du wärst wichtig oder nur nett?

Ich bin ein Ping, der nicht antwortet.
Ich bin ein Pong, das dich retourniert.
Ich bin eine Variable, bleibe unbestimmt.
Ich bin das Netz, das du nicht verstehst.

Deine Privatsphäre ist mir wichtig.
Du sollst wissen, dass ich alles von dir weiß.
Dir ist bang vor den Nazis nebenan.
Wer fürchtet für das Opfer in dir?

Ich sage, was du kostest.
Ich erlaube, wo du wohnst.
Ich kenne deine Freunde und überzeuge sie, dass es besseres gibt.
Lass sie los. Lass sie ziehen.
Du bist der einzige Nachbar, den du brauchst.

Ich lehre dich, im Erinnern zu vergessen.
Ich nehme deine Geschichte, denn sie liebt nur Gewinner.
Dein größtes Talent ist dein Horror vor einem Makel.
Dir bleibt die trockene Patina deiner Timeline geschenkt.

Ich nehme kein neues Vorbild, die Integrität deines Aberglaubens soll reichen.
Ich nehme deine Kinder, sie werden in der Schule klassifiziert.
Ich nehme deine Träume und gebe dir ein Entertainment der Angst.
Ich nehme dir die Rente, deine Zukunft ist bereits im Ruhestand.

Hier ist dein Organspendeausweis.
Verlier dich nicht.

Am Ende des Verstehens beginnt die Hoffnung.
Der laue Kick einer schlampigen Selbstermächtigung.
Ich lüge dich an und du sagst danke.
Ich bin dein Blender und flüster dir,
es wird alles besser für dich.

Pflege den Schwamm der Versprechen, unter dem deine Sehnsucht verschwand.
Verteidige mit allen Waffen der Ignoranz meine Fäden in dir.
Du wirst belohnt mit einem Fan-Fähnchen der Nulllotterie.

Jetzt siehst du ansprechend aus.
Nun warte auf deine Dauerkarte.

Ich sage dir, »dreh dich um«, wenn es bergab geht.
Ich bin die zärtliche Beleidigung deiner Intelligenz.
Ich bin DIE AUGEN GERADEAUS, RECHTSRUM, MARSCH!
Ich bin die Spaßzone, an der du rubbelst, während du ertrinkst.

Du willst wirklich Häppchen dazu?
Gut gewählt, hier ist dein Kredit.

Ich weiß, was falsch läuft, ich habe es bestellt.
Ich bin dein Streichelzoo in einem Kosmos voller Möglichkeiten.
Ich bin dein Hirte und kenne den Weg zum Hairdresser.
Ich bin die beste Demokratie, die jemand für dich bezahlt.*

* Vorsicht: Psychoaktiver Sondermüll, bei Fragen zur Entsorgung
wende dich an einen Influencer deines kommerziellen Vertrauens.

Und du hast keine Ahnung, aber einen bunten Stimmzettel.
Also kreuzige dich und sei schön und still.

Und du hast keinen Ausweg, denn dafür müsstest du dich bewegen.
Doch es sitzt sich so hyggelig auf dem Nagelbett hier.

Und du hast keine Wahl, denn um das zu entscheiden,
hast du dich noch nicht erwählt.

Bitte ernte deine Gefühle jetzt.
Danke, dass du den Wahlomat benutzt.

 

 

am 07.07.2024
o7. Juli 2o24

Chél Void Responder

(rekursiver Scherenschnitt einer Borderline-Lovestory)
 

Wo bist du gerade.
War lange nicht hier.

Vielleicht verweilst du weiter.
Im Pausenraum des Rausches.
Im Apogäum der Macht.
Schorfig unterm Plaid der Prisen
rechst du die Dünung deiner Narben
auf einer Chaiselongue der Angst.
Skandierst Gebete an die Vergangenheit.
Skalierst Missionen deines Vergessens.

Touristin der Nähe.
Fehlst du dir so wie mir?

Manchmal rate ich weiter.
Im Lachen der Langeweile.
Im dead end des Ungenügen.
Frostig unter welker Albedo
blinzel ich am Rande meiner Neugier
auf das Strandgut verwahrloster Lust.
Simuliere sternlos Navigation.
Schlender leer mit stiller Hand.

Passant der Antwort.
Fehle ich mir so wie dir?

Wir verfehlten die letzte Grenze.
Im selbstgerechten Fallen.
Im Irrlicht der Vollendung.
Unverbriefte Freibeuter jetzt
lauern wir im schmalen weiter
auf ein verschwitztes hit and run.
Balzen torkelnd um eine Flaute.
Balancieren auf einem verheerten Meer.

Sprites im Sonnenwind.
Seit morgen fehlt uns wir.
 

Chél Sans Beyond

Als Besessenheit zu Besitz verwest
wurde dein Auge kalt
wurde mein Blick alt
unser wir bald unbelebt.

Du nährtest meine Prinzessin,
sie war dir ähnlicher als ich.
Ich verführte deinen Virus,
verstand ihn mehr als dich.

Alle Zuneigung papierte zur Mode,
einem Pakt schmieriger Selbstverischerung.
Mit ihm tapezierten wir den Infinity-Pool der Hölle,
auf dem Grund ein sniffy Spatel als Gewinn.

Unsere toxische Hingabe zum Gemetzel,
der mentale Zwang zur Vivisektion
exhumierte die fröhliche Freundin Flucht,
ihre flatterhafte Hand kannten wir schon.

Im Stillstand des Staunens
setzte sie die Segel, die du mir versprachst.
Du batest sie zornig zurück
und ich schenkte dir das letzte Tabu.

Jemand sagte Fotze.
Jemand sagte Kinderschwanz.
Alle dachten nichts und
brachen das dritte Herz.

Wo sind wir gerade.
Waren lange nicht wir.

Passant ohne Narbe.
Fürchte ich mich so wie dich?

Touristin ohne Neugier.
Fühlst du dich so wie ich?

Patienten oder Gespenster.
War unser Wir niemals hier?
 

Chél Null Staging

Sobald unsere Sanduhr kippt,
ist alles Sog in eine Mitte,
nach vergangenem Sturm und Grind
verbleibst du als einzige Bitte.

Ich sehe dich.

Jeder Gedanke in mir ruht.
Du stehst freigestellt von der Welt.
Erlöst von Alter, Furcht und Wut
hat dein Wollen mich nicht verfehlt.

In dieser Whiteout-Kollision
im Gegenlicht kosmischer Inflation
stiehlst du die Fesseln des Jetzt,
verreise ich den willigen Verstand.
Bevor Lippen sich berühren
ist an meinem Hals deine Hand.

Deine natürliche Lüge
ist das einzige Gesetz,
meine unverschämte Täuschung
unser Heim und letztes Netz.

Im Beieinander dieses Verstehens
verschränken wir die Gravitation
ineinander in Lust und Illusion
bis wir und alles majestätisch fliegt,
bis die Ebene unserer Schönheit vor uns liegt.

Eine laszive Thermik,
wir sind entgrenzt, holistisch, lebendig
und endlich taumel ich dir nach.
Du bist da, bevor ich nach dir lange.
Bin umarmt, bevor ich dich fange.
Lutschst mich hart und unnachgiebig.
Lecke dich nass und gierig.
Fühle dein Nehmen mich schlagen.
Spüre unseren Puls versagen.

Schreiend im Kojotentanz.

Kriminelle Pfirsiche.
Bezauberte Tiere.
Alterslose Säuglinge.
Anfänger des Zergehens.

Ich bin Kalifornien für dich.
Du bist Ithaca für mich.
Das Paradies unser Gesicht.

 

 

Anleitung | Disclaimer

(Prolog)

Es sind interessante Zeiten, so wie alle Zeiten interessant sind - oder sein müssen, es ist ja nie eine andere da. Jedenfalls sind sie sehr gefühlsbetont und beschäftigen sich intensiv mit der Identität: Der eigenen, der fremden und vor allem der eigenen im Bezug zu allen anderen. Wenn eines das möchte oder will oder meint zu müssen, ist das zu akzeptieren.

»Es gibt Menschen, die Genuss daran empfinden, sich beleidigt zu fühlen«, schrieb Dostojewski sinngemäß. In suprakonsumptiven Gesellschaftssystemen - also einem System, das mehr verbraucht, als es benötigt - ist der Imperativ, die Aufforderung zum Genuss allgegenwärtig, womit seine zunehmende Verbreitung als angelernte Charaktereigenschaft zwangsläufig ist. Allerdings ist es doch eine recht anstrengende Vorstellung, immer in allem ostentativ zu schwelgen; ebenso immer den Eindruck haben zu wollen, persönlich adressiert zu sein. Letztendlich ist jedes Leben in einem fortdauernden Imperativ ein Dasein in antizipierter Selbstzensur, eine Existenz in vorauseilendem Gehorsam und elementarer Unterwerfung, also in Gewalt.

Nun bin ich der Luhmannschen Kommunikationstheorie freundlich zugewandt und so betrachtet, sind meine Beiträge kleine Experimente zur Unwahrscheinlichkeitsreduktion oder nur ein weiteres Flimmern im spannenden Hintergrundrauschen des Weltgeplauders.
Etwas unzeitgemäß verwende ich hauptsächlich und schamfrei das generische Maskulinum. Alle, die freiwillig mit mindestens einer Zweitsprache vertraut sind, werden diese gewählte Nachlässigkeit nachvollziehen können.

Zweifellos ist Lachen wichtig, wichtiger als Zerstreuung. Jeder Mensch ist angehalten, sich gelegentlich zu amüsieren, Lustiges zu finden und lächerlich zu sein. Tagtäglich wird viel daran gearbeitet, Lachen zu ermöglichen und dies sollte so oft wie möglich in Anspruch genommen werden, allein schon aus Notwehr und Selbsterhaltung.
Doch das ist nicht mein Job. Immerhin, in jeder Schwermut wohnt ein Witz, der gefunden werden kann - es kommt nur auf die Perspektive an. Und da es dort unbequem ist, werden sich hier wenige wiederfinden.

Hier geht es um Literatur, um Texte, erfundene, erlogene, ausgedachte Geschichten und Gedanken. Unabhängig von der Erzähltechnik spiegeln sie weder meine Vergangenheit, meine Meinungen oder Ansichten wider, auch entsprechen die erzählten und erzählenden Figuren keinen vergangenen, gegenwärtigen oder zukünftigen Personen. Niemand ist gemeint. Alle Ähnlichkeiten mit echten oder real existierenden Menschen oder Ereignissen sind gegebenenfalls peinlich für die Betroffenen.

 

Allegorisch:

Ich bin ein Schuster, ich mache Schuhe.
Vielleicht sind sie schön oder häßlich,
zu groß oder zu klein,
verlockend oder abstoßend.
Ich mache Schuhe und stelle sie hin.
Ich ziehe mir diese Schuhe nicht an.
Wenn du dir die Schuhe anziehst
und sie passen zu dir,
ist das deine Sache.