El-G: Das Ich als Text in der Fremde

Ein  Flimmern im spannenden Hintergrundrauschen des Weltgeplauders.
Niemand ist gemeint.

Neue Literatur, Prosa, Lyrik, Roman, Online Kunst, verbale Performance, Exposé, Epimetheisch, Erfundene erlogene ausgedachte Geschichten.

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o7. Juli 2o24

Chél Void Responder

(rekursiver Scherenschnitt einer Borderline-Lovestory)
 

Wo bist du gerade.
War lange nicht hier.

Vielleicht verweilst du weiter.
Im Pausenraum des Rausches.
Im Apogäum der Macht.
Schorfig unterm Plaid der Prisen
rechst du die Dünung deiner Narben
auf einer Chaiselongue der Angst.
Skandierst Gebete an die Vergangenheit.
Skalierst Missionen deines Vergessens.

Touristin der Nähe.
Fehlst du dir so wie mir?

Manchmal rate ich weiter.
Im Lachen der Langeweile.
Im dead end des Ungenügen.
Frostig unter welker Albedo
blinzel ich am Rande meiner Neugier
auf das Strandgut verwahrloster Lust.
Simuliere sternlos Navigation.
Schlender leer mit stiller Hand.

Passant der Antwort.
Fehle ich mir so wie dir?

Wir verfehlten die letzte Grenze.
Im selbstgerechten Fallen.
Im Irrlicht der Vollendung.
Unverbriefte Freibeuter jetzt
lauern wir im schmalen weiter
auf ein verschwitztes hit and run.
Balzen torkelnd um eine Flaute.
Balancieren auf einem verheerten Meer.

Sprites im Sonnenwind.
Seit morgen fehlt uns wir.
 

Chél Sans Beyond

Als Besessenheit zu Besitz verwest
wurde dein Auge kalt
wurde mein Blick alt
unser wir bald unbelebt.

Du nährtest meine Prinzessin,
sie war dir ähnlicher als ich.
Ich verführte deinen Virus,
verstand ihn mehr als dich.

Alle Zuneigung papierte zur Mode,
einem Pakt schmieriger Selbstverischerung.
Mit ihm tapezierten wir den Infinity-Pool der Hölle,
auf dem Grund ein sniffy Spatel als Gewinn.

Unsere toxische Hingabe zum Gemetzel,
der mentale Zwang zur Vivisektion
exhumierte die fröhliche Freundin Flucht,
ihre flatterhafte Hand kannten wir schon.

Im Stillstand des Staunens
setzte sie die Segel, die du mir versprachst.
Du batest sie zornig zurück
und ich schenkte dir das letzte Tabu.

Jemand sagte Fotze.
Jemand sagte Kinderschwanz.
Alle dachten nichts und
brachen das dritte Herz.

Wo sind wir gerade.
Waren lange nicht wir.

Passant ohne Narbe.
Fürchte ich mich so wie dich?

Touristin ohne Neugier.
Fühlst du dich so wie ich?

Patienten oder Gespenster.
War unser Wir niemals hier?
 

Chél Null Staging

Sobald unsere Sanduhr kippt,
ist alles Sog in eine Mitte,
nach vergangenem Sturm und Grind
verbleibst du als einzige Bitte.

Ich sehe dich.

Jeder Gedanke in mir ruht.
Du stehst freigestellt von der Welt.
Erlöst von Alter, Furcht und Wut
hat dein Wollen mich nicht verfehlt.

In dieser Whiteout-Kollision
im Gegenlicht kosmischer Inflation
stiehlst du die Fesseln des Jetzt,
verreise ich den willigen Verstand.
Bevor Lippen sich berühren
ist an meinem Hals deine Hand.

Deine natürliche Lüge
ist das einzige Gesetz,
meine unverschämte Täuschung
unser Heim und letztes Netz.

Im Beieinander dieses Verstehens
verschränken wir die Gravitation
ineinander in Lust und Illusion
bis wir und alles majestätisch fliegt,
bis die Ebene unserer Schönheit vor uns liegt.

Eine laszive Thermik,
wir sind entgrenzt, holistisch, lebendig
und endlich taumel ich dir nach.
Du bist da, bevor ich nach dir lange.
Bin umarmt, bevor ich dich fange.
Lutschst mich hart und unnachgiebig.
Lecke dich nass und gierig.
Fühle dein Nehmen mich schlagen.
Spüre unseren Puls versagen.

Schreiend im Kojotentanz.

Kriminelle Pfirsiche.
Bezauberte Tiere.
Alterslose Säuglinge.
Anfänger des Zergehens.

Ich bin Kalifornien für dich.
Du bist Ithaca für mich.
Das Paradies unser Gesicht.